Reiseführer für Helden - Die Rothorn-Adern
Geschrieben von Phielix   
Freitag, 27. Februar 2009
Ein großartiger und gleichzeitig schrecklicher Gipfel ragt mitten im Nebelgebirge hoch hinauf, die Seiten gestreift in der Farbe getrockneten Blutes und die Spitze mit harschem Schnee überzogen. Die Zwerge nennen ihn Barazinbar. Die Elben haben ihn Caradhras getauft. Besser bekannt ist er jedoch unter dem geläufigen Namen: Das Rothorn.

Tief unter dem Gipfel und unter dem Pass, der denselben Namen trägt, innerhalb der Tore von Khazad-dûm, haben die Zwerge tief im Inneren des Berges nach den rötlichen Steinen des Rothorns gegraben. Sie haben sich durch Fels und Erz einen Weg gebahnt, sind auf funkelnde Edelsteine und schimmernde Metalladern gestoßen, haben eine Strecke aus eisernen Schienen gelegt und vornehme Herrenhäuser gebaut. Sie haben ein Loch in den Berg gegraben und es völlig leer zurückgelassen.

Das ausgebeutete Gebiet der Rothorn-Adern, wird von manchen Zwergen voller Wehmut als ein Zeichen der Ausblutung Morias gesehen. Das hohe und nebelverhangene Rothorn hat solch einen üblen Ruf für Zorn und Unbarmherzigkeit, dass es manchmal auch der grausame Caradhras genannt wird. Die Zwerge grollen, dass die alten Bergarbeiter das Herz des Berges herausgeschnitten hätten und somit all das Blut, die Adern voller wertvollem Mithril, verloren ging. Sie behaupten, der Berg hätte sich gegen die alten Zwerge von Khazad-dûm gewandt und sie fragen sich, ob die Ankunft von Durins Fluch Teil der Rache des Rothorns war.

Kristalle leuchten wie Feuer in den Straßen am westlichen Rand der Rothorn-Adern, wo sich die Hütten der Zwerge, die Herrenhäuser und Versorgungsgebäude zwischen den Säulen aus unberührtem Gestein drängen, die das Dach Morias tragen. Von den Herren der Minen erbaut
Die Rothorn-Adern verlaufen zwischen den Felsen und unter Zelem-melek und Nud-melek. Hier wurden die königlichen und edlen Hallen dieser Regionen verfeinert, welche bis heute von der atemberaubenden Genialität und Architektur der Zwerge zeugen. Die Rothorn-Adern sind eine funktionelle und vom Bergbau geprägte Region, die entlang der Erzadern aus dem Felsen geschlagen wurde.

Im Osten gehen die rauen Pfade in unheimliche Steinformationen in den rötlichen unteren Bereich von Nud-melek über. Im Süden führt ein riesiger, einsamer Tunnel aus dem Gebiet, der dann in Richtung Westen zu den Lodernden Tiefen weiter verläuft. Keiner dieser Durchgänge ist mit großen Toren oder stolzen Monumenten versehen, wie es in anderen Regionen der Fall ist, da dies keine feierlichen Eingänge zu neuen Gebieten sind. Diese Durchgänge entstanden durch Zufall, wo die Minen auf andere Gebiete in Khazad-dûm stießen.

Wenn die Zwerge länger in Moria gewesen wären, hätten sie wahrscheinlich die Minen in den Süden ausgedehnt und Durchgänge zu anderen Gebieten errichtet, die sie wie die Grenze nach Zelem-melek im Westen dekoriert hätten. Nun verlaufen tief geformte Rinnen im Felsen bis in das nördliche Grenzgebiet der Lodernden Tiefen und schwindelerregende Treppen führen in die königlichen Hallen hinauf. Oben an der Treppe steht die Ork-Wacht, auf einer Schanze, auf der die Zwerge die Grenze gegen Wargreiter aus dem Westen und kraftstrotzende Orks aus dem Osten verteidigen. Die Zwerge der Ork-Wacht stehen über den Rothorn-Adern, streichen sich ihre Bärte und planen die Zukunft.

Im Erdgeschoss der unteren Rothorn-Adern stehen robuste rote Erzhäuser, stabile Arbeitshäuser und die Anwesen der Bergarbeiter dicht gedrängt an der Treppe. Diese dienten sowohl als Geschäftszimmer für die wohlhabenden Erzbarone der Zwerge, als auch als Schlafsäle für einfache Bergarbeiter. In diesen Gebäuden befanden sich die staubigen Werkstätten, in denen das Erz veredelt und poliert wurde, und die Schatzkammern, in denen die Edelsteine aufbewahrt wurden.

Zwischen diesem städtischen Viertel und all den anderen Gebieten der Rothorn-Adern befindet sich ein Labyrinth aus den aufgeschütteten Strecken der Minenwagen, Holzgerüsten und Ablagerungen von ungenutztem Stein. Alles in diesen Gängen ist mit dem Staub und Geröll der Jahrhunderte bedeckt. Die Gleise, die einst zu den Erzhäusern und Werkstätten führten, sind nun verbogen und gebrochen. Es scheint, als ob die Zwerge, die aus den Minen geflohen sind, ihr eigenes Werk zerstört haben, um Bilwisse und Anspruchsdiebe davon abzuhalten, ihre alte Infrastruktur zu nutzen.

Im Nordwesten der Minen führen die aufgeschütteten Strecken an den versiegelten Erzhäusern vorbei an den Rand eines riesigen Lochs im Felsen. Das war die Erzabfallgrube, in die Abfall und die Überreste aus dem Veredelungsprozess des Erzes geworfen wurden. Obwohl die alten Bergarbeiter vieles im Berg als wieder verwertbar erachteten, wurde diese bodenlose Grube als so tief und unbedeutend für das wertvolle Erz betrachtet, dass sie dort Abfall und aufgebrauchte Erzreste deponierten. Nun ist sie in den Händen der besetzenden Orks, die die Grube für denselben Zweck nutzen, nur dass ein harter und herzloser Ork auch gerne ausgediente Gefangene in die Grube wirft.

Einsame Gänge
Der große, lange Tunnel, der die Rothorn-Adern mit den Lodernden Tiefen verbindet, ist wahrscheinlich die einsamste und verlorenste Strecke im ausgehöhlten Felsen in Moria. Der sich vom südlichen Ende der Rothorn-Adern bis zur östlichen Grenze der Lodernden Tiefen schlängelnde Tunnel verläuft ohne jegliche Planung, was vermuten lässt, dass er auf der Suche nach dem wertvollen Erz gegraben wurde und nicht, um zwei Regionen miteinander zu verbinden. Außer ein paar zurückgelassenen Kristallen und tragenden Stützen gibt es wenige Hinweise darauf, dass das Volk von Khazad-dûm diese rohe Felsenstrecke je ohne einen Pickel in der linken und rechten Hand betreten hätte.

Wenn es je einen weiter entfernten und einsameren Ort zwischen den Toren von Moria gegeben hat, als den langen und ausgehöhlten Tunnel, der die Rothorn-Adern mit der rauchenden Hölle der Lodernden Tiefen verbindet, existiert dieser schon lange nicht mehr.

Dennoch ist es selbst in dieser entlegenen und verlassenen Ecke Morias nicht sicher. Von diesem riesigen Tunnel zweigen kleine Seitengänge ab, die die Orks als Wegzeichen nutzen, wenn sie sich zwischen den Rothorn-Adern und den Lodernden Tiefen bewegen.

In einer Nische in der Tunnelwand im Westen hat eine Heerschar von Gredbyg den einstigen Rückzugsort von Bergarbeitern in einen Ort verwandelt, den die neuen Siedler Ziepenbau nennen. Hinter einem metallenen Tor, in den Räumen, die wahrscheinlich einmal als Schlafsäle für die Bergarbeiter dienten, haben sich Gredbyg zwischen alten Kunstwerken und verrottenden Möbeln eingenistet. Die Reste von halbverdautem Insektenfleisch kleben an den Wänden. Helle Eier liegen zum Brüten in den alten Betten der Zwerge, einer grotesken Insektenkrippe. Eine dicke Grodbog-Königin hält hier in einer verlassenen Speisehalle Hof. Wenn diese sich vermehrenden Insekten nicht ausgelöscht werden, wird es hier bald auch eine neue Grodbog-Seuche geben.

Die Gegenwart des Feindes
Obwohl man das Geräusch unaufhörlichen Mahlens des umherwandernden Ungeziefers von den westlichen Gebieten bis hin zum Ziepenbau hören kann, stellen die Gredbyg keineswegs die größte Bedrohung in den Rothorn-Adern dar. Überall lauern Orks. Sie versammeln sich in den Straßen in der Nähe der Ork-Wacht, patrouillieren Tunnelzugänge der Region und suchen bei den Gleisen der Minenwagen nach nützlichen Abfällen und schwachen Eindringlingen.

Die Minen mögen zwar von wilden Geschöpfen und schrecklichem Ungeziefer bewohnt sein, doch sind es die Orksoldaten von Moria und Mordor, die in den Rothorn-Adern die größte Bedrohung darstellen. Die Schwertkämpfer der Weißen Hand und des Großen Auges sind überall.

Ausgehend von ihren Lagern an der Großen Treppe im Norden haben die Ork- und Bilwiss-Stämme von Moria die Rothorn-Adern erobert und seit Generationen besetzt, aber sie sind hier inzwischen nicht mehr die einzigen Ork-Sippen. Selbst Orks aus dem fernen Mordor marschieren neben Soldaten, die das Zeichen der Weißen Hand tragen. Sie kommen hierher, um Metall für Waffen zu plündern, die sie dann von Bilwissen aus Moria schmieden lassen. Gelingt es nicht, diese Eindringlinge aufzuhalten, wird der Feind in den Tiefen Morias eine neue Armee bilden und sie in Eriador einmarschieren lassen.

Nun stellt sich folgende Frage: Wie können die Freien Völker, die nach Moria gekommen sind, um dessen Ruhm wiederherzustellen, einem angriffsbereiten Verband von Ork-Stämmen ganz Moria entreißen? Khazad-dûm war so lange im Schatten verloren und galt selbst dann noch als unbezwingbar, als es von verschiedenen Ork-Stämmen aus Moria besetzt war. Gibt es jetzt, da die Orks Unterstützung aus Isengart und Mordor haben, Hoffnung für die Pläne der Freien Völker auf einen Neuanfang für das Land unter dem Nebelgebirge?

Vielleicht. Schau hinab von Budkhul-beken, dem Aussichtspunkt, in den von Orks kontrollierten südlichen Bereich von Nud-melek, am nördlichen Rand der Rothorn-Adern. Von dort aus führt ein Pfad von den Minen über gefährliche Abgründe zu einem Durchgang im Gestein, der als das Tor der Zerstörung bekannt ist. Kundschafter der Freien Völker haben dort ein Lager errichtet, in dem sich Gefährten scharen und auf Kämpfe gegen Orks und Bilwisse vorbereiten können, die sich bei der Großen Treppe versammelt haben. Diese Versammlung blutrünstiger, gefährlicher Orks könnte den Untergang von Moria bedeuten – oder eine unerwartete Gelegenheit, viele Feinde auf einmal zu schwächen.

Die große Treppe
Früher, als Moria noch eine blühende Stadt war, verband die Große Treppe Nud-melek und die Rothorn-Adern - und möglicherweise andere verlorene Bereiche von Khazad-dûm. Heute wie damals ist es ein atemberaubendes Netzwerk von schwindelerregend hohen Treppen und Säulen, die unglaublich hoch in die Leere unter dem Berg emporragen. Dort wo die Treppe einst ein geschäftiges Wegenetz hoch über dem Abgrund ermöglichte, gibt es heute nur noch ein fremdartiges, bewachtes Geflecht aus Lagern, in denen sich Warge und Trolle im Dunkeln vermehren.

Die riesige, gefährliche Große Treppe ist ein unglaublicher, verrückter Mikrokosmos in Moria: aus dem Gestein gehauen, von der Ork-Sippe eingenommen und besudelt, mit atemberaubender Handwerkskunst und unglaublichem Mut erbaut - und wer sie überquert, stellt seinen Mut und seine Sorglosigkeit unter Beweis.

Welch irrsinnige Vision, welch furchtloser Stolz könnte die Große Treppe ersonnen haben? Sind diese engen Pfade alles, was zurückgeblieben war aus einer Zeit, in der die besessenen Zwerge dieses immense Loch aus der Erde gegraben hatten? Oder wurden diese Brücken erbaut, um die Zwerge über den unendlichen Abgrund zu tragen, den sie bereits zuvor im Gestein entdeckt hatten?

Aus welchem Grund die Große Treppe auch errichtet wurde, hatte sich ihr Schicksal in der Abwesenheit der Zwerge als unvermeidlich erwiesen. Orks und Bilwisse ergriffen die Gelegenheit, dieses dunkle Reich in der Erde einzunehmen, und verwandelten die einstmals so mächtige Große Treppe in ein verwirrendes Geflecht aus ausweglosen Pfaden und Sackgassen, ein Dickicht aus Dunkelheit und Feuer über einem bodenlosen Abgrund. Im tiefsten dieser Tunnel, am Tor der Großen Treppe nach Nud-melek, sitzt ein Leutnant des Mazog von Moria, des Ork-Häuptlings der eingeborenen Stämme Morias, auf einem hässlichen Thron umgeben von Kriegsbeute. Sein Name ist Igash, und er beansprucht diesen Bereich Morias für sich.

Igash, ein Leutnant des Ork-Häuptlings Mazog von Moria, wacht in den Rothorn-Adern über anwesende Feinde. Hinter den Befestigungen der Großen Treppe versteckt sitzt er auf einem hässlichen Thron inmitten von Schätzen, doch seine Herrschaft wird immer schwächer.

Igashs Gegenwart lockte die Orks jenseits der Grenzen Morias zur Großen Treppe, wo sie eine Audienz bei ihm begehrten. Sie geben vor, eine gemeinsame Unterwerfung der Freien Völker anzustreben, doch die Neuankömmlinge der Orks tuscheln untereinander: “Moria wird von der Weißen Hand erobert werden.” Sie werden versuchen, Igashs Thron einzunehmen, die Bilwisse von Moria zu unterwerfen und sie zu einer einzigen Armee unter dem Kommando von Saruman dem Vielfarbigen zusammenzuführen.

Auf diesem Streit gründet sich die Hoffnung der Freien Völker. Eine einzelne loyale Ork-Armee mit Schwertkämpfern aus Mordor, Isengart und Moria könnte den Untergang von Mittelerde herbeiführen. Eine Horde von richtungslosen und hinterhältigen Stämmen, die interne Machtkämpfe austragen, könnte jedoch leicht geteilt und besiegt werden. Solange sich die bösen Krieger des Feindes gegenseitig abschlachten, werden ihre Linien durchdringbar bleiben.

Um diese Linien zu durchdringen, müssen mutige Gefährten an Orte wie die Große Treppe reisen, bis an den Rand des Schattens, zum tiefen Abgrund - und die Orks besiegen.
 
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